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Die feine Grenze zwischen Selbstfürsorge und Selbstbezogenheit


In unserer heutigen Gesellschaft ist "selbstlieben" zu einem wichtigen Thema geworden. In den sozialen Medien, in Selbsthilfebüchern und Gesundheitsartikeln ist oft von Selbstliebe die Rede. Aber was bedeutet Selbstliebe wirklich und wie unterscheidet sie sich vom Egoismus? In diesem Blogbeitrag möchte ich versuchen, dir die Unterschiede zwischen Selbstliebe und Egoismus zu erklären, um die beiden Konzepte besser zu verstehen.



Wenn ich in meiner Praxis über Selbstliebe spreche, werde ich oftmals gefragt, ob die Liebe zu sich selbst nicht etwas zu egozentrisch sei. Manche Menschen sind mit diesem Thema nicht so vertraut und verwechseln die Liebe zu sich selbst mit Egozentrik. Ja, das kann ich sehr gut verstehen, denn wir Menschen neigen dazu, den Nächsten zu lieben und uns selbst dabei völlig zu vergessen. Aber das ist eine Falle, in die wir Menschen oftmals tappen. Selbstliebe bedeutet für mich Selbstachtung und Selbstfürsorge. Wenn ich zuerst mir selber helfe, habe ich auch die Energie, andere zu unterstützen. Ich kenne viele Menschen, die immer nur für andere da sind und keine Energie mehr für sich selbst haben. Damit es ein harmonisches Miteinander gibt, ist es wichtig eine Balance zu finden.


"Du bist immer bei dir, von der Wiege bis zur Bahre. Du musst deinem Ich gefallen, denn für dich selbst bist du der größte Schatz auf Erden." - Bertha von Suttner

Was ist Selbstliebe?


Ich beschreibe Selbstliebe als eine tief empfundene und bedingungslose Akzeptanz von sich selbst. Es geht darum, sich selbst wertzuschätzen, sich selbst mit Güte und Respekt zu behandeln und sich in seiner Ganzheitlichkeit anzunehmen – mit all seinen Stärken und Schwächen. Selbstliebe ist eine grundlegende Voraussetzung für ein gesundes Selbstwertgefühl und ein erfülltes Leben.

Die positive Seite der Selbstliebe zeigt sich in verschiedenen Aspekten unseres Lebens, wie zum Beispiel...


  • Selbstbewusstsein: Wenn wir uns selbst lieben, sind wir mit uns im Reinen und haben Vertrauen in unsere Fähigkeiten. Dadurch ermutigen wir uns, authentisch zu sein und uns selbst zu verwirklichen.

  • Selbstakzeptanz: Selbstliebe bedeutet, sich nicht ständig mit anderen zu vergleichen oder sich für vermeintliche "Unzulänglichkeiten" zu verurteilen. Stattdessen lernen wir, uns so zu akzeptieren, wie wir sind, und unsere eigene Einzigartigkeit anzuerkennen. Dazu gehört auch die Akzeptanz unserer Schwächen. Letztere werden eher in den Schatten verdrängt, aber gerade sie sollten wir beleuchten, um in Frieden und Glück leben zu können. Diese Schattenbereiche dringen immer wieder ans Licht und werden meist auf die Welt, auf andere Menschen projiziert, anstatt sie anzuerkennen und zu integrieren. Mir ist bewusst, dass dies ein schwieriger Weg ist aber der Gewinn daraus ist einfach göttlich.

  • Grenzen setzen: Selbstliebe befähigt uns, gesunde Grenzen zu setzen und unsere eigenen Bedürfnisse zu respektieren. Wir erkennen, dass es in Ordnung ist, "Nein" zu sagen, wenn wir uns überfordert fühlen, und unsere Selbstachtung nicht durch die Erwartungen anderer gefährden zu lassen.

  • Empathie für andere: Ironischerweise führt Selbstliebe zu mehr Empathie für andere. Wenn wir liebevoll mit uns selbst umgehen, sind wir eher in der Lage, Mitgefühl und Verständnis für die Bedürfnisse und Gefühle anderer aufzubringen. Da wir durch die Selbstliebe lernen, gut für uns selbst zu sorgen, und da wir diese positive Einstellung zum Leben aufrechterhalten wollen, lassen wir uns auch weniger von der Negativität überwältigen.


"Du selbst zu sein, in einer Welt, die dich ständig anders haben will, ist die größte Errungenschaft." - Ralph Waldo Emerson

Was ist Egoismus?


Egoismus ist eine Verhaltensweise oder Haltung, bei der eine Person ihre eigenen Interessen, Bedürfnisse und Wünsche über die anderer stellt und oft ohne Rücksicht auf die Auswirkungen auf andere handelt. Egoistische Menschen neigen dazu, ihr eigenes Wohl und persönliche Vorteile als vorrangig zu betrachten, auch wenn dies zu Lasten anderer gehen kann.


Menschen, die egoistisch handeln, können dazu neigen, sich selbst als das Zentrum ihrer Welt zu betrachten und sich vorrangig um ihre eigenen Ziele und Zufriedenheit zu kümmern. Dies kann dazu führen, dass sie egozentrisch, eigensinnig oder sogar manipulativ agieren, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen.


Die Gefahr des Egoismus zeigt sich in verschiedenen Bereichen unseres Lebens...


  • Soziale Isolation: Egoistische Verhaltensweisen können zu sozialer Isolation führen, da andere Menschen sich zurückziehen, wenn sie das Gefühl haben, nicht fair behandelt zu werden.

  • Mangel an Empathie: Egoistische Menschen haben oft Schwierigkeiten, sich in andere hineinzuversetzen oder die Perspektiven anderer zu verstehen. Sie sehen die Welt oft nur aus ihrer eigenen Sicht.

  • Beziehungsprobleme: Egoismus kann zu Konflikten und Problemen in zwischenmenschlichen Beziehungen führen, da das Bedürfnis nach Selbstzentriertheit die Kommunikation und das Miteinander beeinträchtigen kann.

  • Mangelnde Unterstützung: Wenn wir nur an uns selbst denken und uns wenig um die Bedürfnisse anderer kümmern, erhalten wir möglicherweise nicht die Unterstützung und Hilfe, die wir in schwierigen Zeiten benötigen.


"Die Liebe zu sich selbst ist der Beginn einer lebenslangen Romanze." - Oscar Wilde

Die Balance finden


Die feine Grenze zwischen Selbstliebe und Egoismus liegt darin, dass Selbstliebe uns befähigt, für uns selbst zu sorgen, ohne die Bedürfnisse anderer zu ignorieren. Es ist wichtig zu verstehen, dass Selbstliebe nicht bedeutet, egoistisch oder selbstbezogen zu sein. Selbstliebe ist eine liebevolle Beziehung zu sich selbst, die uns dazu ermutigt, auch für andere einfühlsam und respektvoll zu sein.


Die Kunst besteht darin, eine gesunde Balance zwischen Selbstfürsorge und Fürsorge für andere zu finden. Wir können uns selbst lieben, während wir gleichzeitig mitfühlend und unterstützend gegenüber unseren Mitmenschen sind. Indem wir die Bedürfnisse und Gefühle anderer berücksichtigen und unsere Selbstliebe mit Empathie verbinden, schaffen wir eine positive und harmonische Beziehung zu uns selbst und zu anderen.




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